Dermatologie & Allergologie
Erytheme : Diagnose
Erythema exsudativum multiforme (EEM)
Polyätiologische Erkrankung der Haut; Assoziation zu Herpesviren (rezidivierende EEM), bakteriellen Infekten, Arzneimitteln werden diskutiert.
Zwei klinische Hauptverlaufsformen:
Minor-Form
Vorwiegend bei Jugendlichen
Prädilektionsstellen
- Handrücken, Unterarme (Streckseiten)
- gelegentlich Füße, Knie, Ellenbogen
Symptome
- schubweises, symmetrisches Auftreten von etwa münzgroßen Erythemen oder Papeln, in typischen Fällen kokardenartige Herde, zentrale Blasenbildung, „Schießscheibenphänomen“ (die Läsionen sind bei einem einzigen Patienten monomorph, bei verschiedenen Patienten jedoch unterschiedlich = multiform)
- Allgemeinerscheinungen gering; keine Schleimhautbeteiligung
Verlauf
Rückbildung nach 1-3 Wochen. Rezidivneigung
Major-Form (mit Schleimhautbeteiligung)
Vorwiegend im 2. und 3. Lebensjahrzehnt. Schwerere Verlaufsform mit Befall von Haut, Schleimhaut und inneren Organen (Stevens-Johnson-Syndrom). Meist plötzliches Einsetzen ohne Prodromi. Als Maximalvariante kommt es zum Auftreten einer toxisch epidermalen Nekrolyse (TEN), bei der es durch Absterben der basalen Keratinozyten zu großflächigen Abhebungen der Epidermis kommt (lebensbedrohlich).
Symptome
Bei Schleimhautbeteiligung und Allgemeinerscheinungen sofort Facharzt oder Spitalseinweisung!
- Hautherde: ähnliches Aussehen wie bei Minor-Form, meist jedoch verstärkt bullös; bevorzugter Befall von Handflächen und Unterarmbeugen
- Lippen und Mundschleimhaut: Erosionen, Blutkrusten, fibrinöse Beläge
- andere Schleimhäute: Konjunktivitis, Keratitis, Uveitis usw.; Rhinitis, Pharyngitis, Balanitis, Urethritis, Vulvovaginitis, Proktitis
- Beteiligung von Lunge (nekrotisierende Tracheobronchitis) und Niere (Tubulusnekrose) möglich
- Fieber, schwere Störung des Allgemeinbefindens, Ernährungsstörungen
Verlauf
Rezidiv möglich
Erythema anulare centrifugum
So genannter Ringelfleck; ring- und bogenförmiger oder polyzyklischer Fleck mit ca. 1 cm breitem, hellrotem, leicht erhabenem Rand; gleichzeitiges Abblassen älterer und Auftreten neuer Herde.
Ätiologie
Meist unklar; möglicherweise Medikamenten- oder Nahrungsmittelallergie, Infektion, Wurmerkrankung, seltener paraneoplastisches Syndrom und Autoimmunkrankheit. In jedem Fall Durchuntersuchung/Tumorsuche nötig.
Erythema anulare rheumaticum
Rheumatische Ringelflecke; bläulichrote Ringe besonders am Rumpf bei Kindern mit akutem rheumatischem Fieber und Endokarditis (s.a. Rheumatisches Fieber)
Erythema (chronicum) migrans (ECM)
So genannte Wanderröte; durch Zeckenstich und Infektion mit Borrelia burgdorferi hervorgerufenes, meist von der Stichstelle zentrifugal fortschreitendes Erythem; hellroter, langsam wachsender Ring mit zentraler Abblassung, gelegentlich auch multilokulär; kann enorme Ausmaße annehmen und in eine Lymphadenosis cutis benigna übergehen. Diagnose und Therapie siehe Lyme-Borreliose.
Erythema nodosum
Intoleranzreaktion der Haut, vor allem durch systemische, virale und bakterielle Infektionen, u.a. bei Streptokokkeninfekten (Angina tonsillaris), Yersinien oder im Rahmen einer systemischen Sarkoidose. Früher Tuberkulose häufiger Auslöser. Selten Medikamente (Kontrazeptiva). Erkrankungsgipfel 20-30 Jahre, häufiger bei Frauen.
Prädilektionsstellen
- Unterschenkelvorderseiten und lateral
- prinzipiell überall möglich
Symptome
- gelegentlich Prodromi (Abgeschlagenheit, Muskelschmerz, Gelenkschmerz)
± mehrere bis zahlreiche bilaterale hellrote, bis walnussgroße, schmerzhafte (sehr berührungsempfindliche), kutan-subkutan gelegene Knoten meist an Unterschenkelvorderseiten und lateral; Fieber (38-39° C), BKS erhöht
Verlauf
Keine Einschmelzung, Rückbildung nach 3-6 Wochen
Differentialdiagnose
Pannikulitiden; abzugrenzen zum Erythema nodosum sind: Erythema induratum, Perniones, nodulare Vaskulitis, Thrombophlebitis.
Letztes Update:26 Februar, 2009 - 13:46






